Galerie am Postplatz

Piatti Celestino

Die Eule - unverkennbare Charakterfigur im künstlerischen Schaffen von Celestino Piatti.

„Eulen sind Eulen“ - so ein altes Sprichwort. Auf Piattis Eulen trifft dies sicher nicht vollumfänglich zu. Der bekannte Schweizer Künstler verbildlichte in seinen Werken nicht einfach das Tier in der Natur, sondern die menschliche Anschauung davon. Die Eule ist Selbstzeugnis, Symbol und Kennzeichen des Gestalters Piatti. In überraschenden Verwandlungen zeigt er uns deren Gesichter immer wieder von neuem. Sie symbolisieren die Menschenbilder des Künstlers.

Der Schweizer Graphiker und Maler Celestino Piatti (1922 - 2007) wirkte seit 1948 als selbständiger Plakatkünstler, Buchgestalter und Illustrator sowie als Entwerfer von Briefmarken, Wand- und Glasbildern, Keramikarbeiten und Eisenplastiken. Während dreissig Jahren hatte er auf Grund seines 1961 entwickelten gestalterischen Konzepts für den Deutschen Taschenbuch Verlag über 6300 Buchumschläge entworfen. Ausserdem entstanden über 500 Plakate.

Wie kein anderer Vertreter der modernen Kunst hat sich Piatti vom Eulen-Thema begeistern lassen. Die Piatti-Eule ist zu einem Gattungsbegriff geworden. Sie ist wie ihr Urbild ein magischer Vogel mit seelischer Ausdruckskraft.

„Man kann die Eule tausendmal zeichnen“, bemerkte Piatti als „Herr der Eulen“ in der Schweizer Illustrierten vom 16. 3. 1992, „aber an ihr Geheimnis kommt man nicht heran“.

Seine Eule hat ein menschliches Gesicht. Mal Kauz, mal Uhu, repräsentiert sie den Meister des graphischen Sinnbilds, der nicht müde wurde, seine Elementarform in immer neuen Aphorismen zu erfinden. Die Piatti-Eule ist einzig, weil ihr Schöpfer sie zur Botschafterin seiner Gesinnung und Gefühle ernannt hat. Sie verkörpert, maliziös oder emphatisch, Ideen, Ängste und Wünsche eines wachen Menschen in dunkler Zeit.